Ich weiß nicht, ob es euch auch so geht, aber manchmal passieren Dinge, die einen ganz plötzlich in die Kindheit zurückschleudern. So war’s bei mir, wie ich vor kurzem die Nachricht gelesen hab: Hulk Hogan ist gestorben. Ja, DER Hulk Hogan. Der mit dem blonden Schnauzer, den zerrissenen Shirts und den berühmten Worten: „Whatcha gonna do, brother?“
Ich war vielleicht 9 oder 10, als ich zum ersten Mal WWF geschaut hab. Es war so ein verregneter Samstag in Wien, ich lag am Teppichboden vor dem alten Röhrenfernseher und hab mir mit meinem Cousin die Wiederholung von WrestleMania reingezogen. Und da war er, dieser Typ, riesig, muskelbepackt, mit einer Ausstrahlung wie ein Rockstar. Für uns war das keine Show, das war Realität. Hulk war ein Held. Vielleicht sogar der erste Held, den ich je hatte.
Was viele vielleicht nicht wussten: Ursprünglich war Hulk Hogan Musiker. Wrestling war nur sein Hobby, bis jemand meinte, er sei größer als Lou Ferrigno, der damals den Hulk in der TV-Serie spielte. Und so kam er zu seinem Namentext1. Er war mehr als ein Wrestler, er war ein Symbol. Für Mut, für Übertreibung, für Kindheitsträume.
Und als wär das nicht schon traurig genug, ist ein paar Tage davor auch noch Ozzy Osbourne gestorben. Zwei Legenden in einer Woche. Zwei völlig verschiedene Welten aber beide auf ihre Art Kult. Und beide haben mein Leben irgendwie mitgeprägt. Ich hab nie verstanden, was Ozzy da auf der Bühne genau gemacht hat, aber ich fand’s cool. Und ich erinnere mich noch an den Tag, als ich mit 14 in einem Secondhand-Laden in der Neubaugasse ein ausgeblichenes Black Sabbath Shirt gefunden hab. Ich war stolz wie ein Kaiser.
Jetzt sind sie beide weg. Und ich denk mir: Wie viele von unseren Jugendidolen bleiben eigentlich noch übrig?
Ich hab dann gestern Abend noch ein paar alte Clips geschaut. WrestleMania, Interviews, diesen schrägen Moment, als Hulk bei einem Trump-Wahlkampf sein Shirt zerrissen hat und dabei fast stecken geblieben ist. Es war ein schräger Mix aus Fremdscham und Nostalgie. Aber irgendwie auch schön. Weil’s zeigt: Der Typ hat’s bis zuletzt geliebt, auf der Bühne zu stehen.
RIP, Hulk. RIP, Ozzy. Ihr wart laut, wild, peinlich, genial. Und vor allem: unvergesslich.
Zwei Stimmen verstummt, zwei Legenden gefallen, doch in unsern Köpfen, da schreien sie weiter. Und manchmal, wenn’s ganz still ist, hör ich noch ein leises „Brother!“ aus dem Fernseher von damals.